Luxman_MQ3600

Luxman MQ-3600 : High End Röhren-Endstufe

In den MQ-3600 habe ich mich sofort verliebt, als ich ihn im Sommer 1979 zum ersten mal in einem Berliner HiFi-Geschäft stehen sah. Nach zäher Verhandlung mit dem Geschäfts-Inhaber konnte ich als bekannter Kunde zwar einige Prozente herausschinden , musste aber immerhin noch einen Darlehensvertrag über 1900 DM mit meiner Hausbank abschließen um das gute Stück dann einige Tage später mitnehmen zu dürfen.

Von nun an herrschte Glückseligkeit wie sie ein HiFi-Freak nur haben kann , trotz das die Stromrechnung ab sofort wesentlich höhere Werte annahm. Die Leistung-Aufnahme beträgt immerhin 300 Watt. Alles hat eben seinen Preis . . .

 

Das besondere an dieser Endstufe ist unter anderem die Verwendung von Trioden als Endröhren, denen schon damals ein besonders guter Klang nachgesagt wurde, was bis zum heutigen Tage für Diskussions-Stoff sorgt.

Da der Verstärkungsfaktor von Trioden geringer ist als bei den üblicherweise verwendeten End-Penthoden oder Tetroden , sind auch spezielle Treiber-Röhren in der Phasenumkehr-Stufe erforderlich.

 

Die im MQ-3600 verwendeten Endröhren ' 8045 G' sind eine spezielle Entwicklung der Japanischen Firma NEC in Zusammenarbeit mit dem Luxman Röhrenverstärker Chef-Entwickler Tim de Paravicini. Für diese End-Trioden gibt es keine Vergleichs-Typen bzw. absolut nichts ähnliches, was sich ein paar Jahre später als Nachteil erweisen wird. Eines Tages beim Einschalten der Endstufe leuchtete die Endröhre V4 hell auf weil der Heizfaden gerade durchbrannte. Die Röhre hat ihr Vakuum verloren, das Getter-Metall im Röhrenkopf verschwand nach und nach.

In den 80er Jahren konnte man diese Röhren noch beim deutschen Vertrieb für Luxman-Produkte (all-akustik) kaufen. Der Preis für eine Röhre betrug allerdings bereits 125 DM. Ein neues Paar 8045 G wurde etwas später eingesetzt , die Ruheströme beider Kanäle abgleichen - die Endstufe funktionierte wieder. Folgend wurde sie seltener benutzt , weil die HiFi-Ära auf Grund anderer Aktivitäten erstmal etwas abgeflaut war. Außerdem wurden verschiedene andere Röhren - und Transistor-Endverstärker - auch selbstgebaute - getestet und benutzt. Zu diesem Zweck hatte ich eine vom Lieblings-Sessel aus bedienbare Umschalt-Einrichtung mit Relais gebaut um eine aussagefähige Vergleichs-Möglichkeit zweier Verstärker im direkten A / B - Vergleich - zu haben. Dazu müssen natürlich beide Verstärker exakt auf gleiche Pegel bei 1 kHz eingemessen sein , ansonsten wird ein Zuhörer den geringfügig lauteren Verstärker als den 'besseren' einstufen. Aus dieser Zeit resultieren auch sehr interessante Erkenntnisse vor allem jedoch die Schulung des 'Hörens' an sich sowie die Problematik möglicher Selbsttäuschung und Vor-Eingenommenheiten.

 

Vor allem auch , das ein Röhren-Verstärker immer eine 'Warmlaufphase' braucht bis er 'klingt'. Einmal kam ein Kumpel mit seinen heißgeliebten - mit KT 88 bestückten 'Dynaco Röhren-Monoblöcken ( Mark III )' zu einem Hör-Meeting vorbei. Mein MQ 3600 lief schon einige Stunden , während seine 'Dynaco Endstufen' ja noch 'kalt' waren. Er , ebenfalls im Hören geübt musste zugeben , das mein Luxman offener , luftiger - also einfach besser klingt , was ihm einen gewissen Frust verschaffte. Nach zwei , drei Stunden des Hörens unserer Hörtest-Lieblings LP's konnten wir beide allerdings keinen Unterschied mehr erkennen, was wir zunächst auf die Ermüdung unserer Gehör-Nerven zurückführten. Einige Zeit später nach dem Essen begannen wir wieder mit dem Umschalten zwischen den beiden Probanden und stellten fest , das sich das Blatt gewendet hat. Plötzlich klingen seine Dynaco's irgendwie besser als mein MQ 3600 - womit ich nun den Frust hatte ;-) . . . Zum Trost ließ er mir seine Mono-Blöcke noch ein paar Wochen zum hören da. Ich ließ alle Endstufen ein paar Tage durchlaufen, um das weiter zu beobachten . . . Er , bzw. seine Endstufen gingen bei dieser Aktion als 'Test-Sieger' hervor.

 

Diesee wirklich filigranen Unterschiede sind jedenfalls nicht ohne weiteres erkennbar - von 'normalen' relativ 'ungeübten' Hörern sowieso nicht hörbar. Es wird auch einfach nur viel geredet . . . und die 'blumigen' Beschreibungen von HiFi-Zeitschriften gelesen, welche anscheinend auch irgendwie gesponsert zu sein scheinen. Im Grunde sind / waren jedenfalls beide Test-Kandidaten 'State of the Art' bzw. 'High End' - und über jeden Zweifel erhaben. Das gilt auch für viele, viele andere Verstärker.

Ein paar Jahre später passierte das gleiche , wieder fiel die Endröhre V4 aus. Das Fehlerbild war das gleiche , die Röhre hat ihr Vakuum verloren - welch ein Zufall. Über die Ursache lässt sich nur spekulieren. Zu dieser Zeit wurde die 8045 G allerdings nicht mehr hergestellt - man konnte aber noch welche zu wesentlich höherem Preis erwerben. Offensichtlich war ich nicht der einzigste, den dieses 'Schicksal' ereilte. Die Fa. all-akustik bot auch einen Umbau auf die Endröhren KT 88 an, was angeblich gut funktionieren sollte. Das wollte ich natürlich lieber selbst erledigen - habe ich doch schließlich seit meinem 14. Lebensjahr selbst schon einige Röhren-Verstärker / Radios aufgebaut bzw. repariert - kenne mich also brauchbar aus. Leider rückten sie die Unterlagen nicht heraus.

Der MQ 3600 wurde erstmal in den Schrank gestellt , da zu dieser Zeit berufliche und familiäre Aktivitäten im Vordergrund standen.

 

Viele Jahre später war dann die Zeit gekommen sich den Luxman MQ 3600 definitiv vorzunehmen, weil er wieder seinen Platz auf dem HiFi-Board einnehmen sollte. Die Reparatur-Phase begann.

Als erstes wird die Stromversorgung gecheckt. In welchem Zustand sind denn die nun schon alten Elko's ? Man sollte einen Verstärker, der ewig herumstand nicht einfach mal so Einschalten . . . das geht häufigst schief. Der Netztrafo ist noch aus der 220 Volt Zeit , was bedeutet, das an allen Sekundär-Wicklungen höhere Spannungen anliegen , was überwiegend Problematisch ist, weil viele der festgelegten Arbeitspunkte nicht mehr stimmen und diverse Bauteile, welche sowieso schon vorher im Grenzbereich betrieben wurden nun im absolut kritischen Bereich sind. Es fließt überall mehr Strom und die Röhren werden dann auch immer etwas überheizt.

Die im Laufe der Modifikation erstellte Schaltung in Anlehnung an das Original.

Am günstigsten ist es - wie sich im Laufe diverser modifizierter alter Röhrengeräte zeigte - einen Vor-Widerstand in die 230 Volt Netzleitung einzuschalten. An ihm werden die überschüssigen 10 Volt als Verlustleistung in Wärme umgewandelt. Das entsprechende Gerät bekommt dann die ihm zugedachten 220 Volt und alles ist im grünen Bereich. Beim MQ 3600 beträgt der ermittelte Widerstandswert : 10 Ohm . Meinen Experimentier-Widerstand mit 80 Watt Belastbarkeit hatte ich noch in der Bauteile-Kiste. Ansonsten gibt es 'zementierte Hochlast-Widerstände' mit Alu-Kühlkörper, welche man oft noch innerhalb des Chassis berührungssicher in der Nähe des Netztrafo's montieren kann . Zwischen dem Widerstand und der Montagefläche wird etwas Wärme-Leitpaste aufgetragen. Mit dem Energie-Monitor werden etwa 1 Ampere auf der 230 Volt-Seite gemessen , das ergibt bei 10 Volt Spannung-Abfall ca. 10 Watt Verlustleistung. Ein auf dem Chassis montierter 25 W Hochlastwiderstand genügt hier.

 

Die Arbeits-Version des MQ 3600 Schalbildes.

Das Foto zeigt den MQ 3600 im 'Labor-Test-Aufbau'. Hinten Rechts der Vor-Widerstand in der 230 Volt Netzleitung.

 

! Achtung : So etwas machen Sie natürlich nicht - offene 230 Volt auf dem Tisch !

 

Das geht nur unter 'Labor-Bedingungen' und

wenn man genau weiß was man da macht.

Vor allem darf kein anderes Lebewesen auch nur in die Nähe kommen dürfen - und man selbst achtet verdammt noch mal darauf wo man seine Finger hat ! Ist das Klar ? . . .

 

Links hinten übrigens die Relais-Boxen der Verstärker / Lautsprecher Umschalt-Einrichtung zum direkten Vergleich von zwei Endstufen.

Einige Fotos von der Experimentier-/ Umbauphase - Phase

Hier war der linke Kanal mit EL 34 End-Penthoden bestückt - im rechten Kanal noch zwei originale 8045 G Trioden.

Hier wieder ein ! Achtung ! : Bei einer EL 34 ist das Bremsgitter an Pin 1 zur externen Beschaltung herausgeführt. Beim originalen MQ 3600 wurde Pin 1 des Röhrensockels als Lötstützpunkt für die negative Gitterspannung benutzt. Würde man da einfach eine EL 34 hineinstecken, gäbe es eine kleine elektrische Katastrophe !

 

Die schlanken EL 34 gefallen mir optisch nicht im MQ 3600 . Außerdem musste für die EL 34 die Gegenkopplung des Verstärkers total angepasst werden, weil recht starke Verzerrungen und Schwingungen ab einer gewissen Aussteuerung auftraten. Ansonsten wäre der Betrieb mit EL 34 machbar. Die 'über alles' - Gegenkopplung muss immer an die Endröhren angepasst werden.

Kurzzeitig wurde ein Quartett EL 34 der Firma 'JJ-Electronics' benutzt. Das sieht schon viel besser aus.

Die Ausgangs-Trafos besitzen sogar Schirmgitter-Anzapfungen , welche beim ursprünglichen Betrieb mit den 8045 G Trioden nicht benutzt wurden. Ansonsten wäre eine Umrüstung auf Penthoden zwar auch machbar, aber die Schirmgitter-Anzapfungen eines Ausgangs-Trafo's bringen einige Vorteile. Zusätzlich wurden in der Umbauphase noch Feinsicherungen in die Anodenspannung-Leitung jedes Kanals eingefügt bis die Endstufe stabil lief , um auf der sicheren Seite zu sein.

Ein geliehenes Quartett 6550 der Firma MESA funktionierte auch sehr stabil in diesem Aufbau , was den Anstoß gab diese Endröhren zu beschaffen. Außerdem gefällt mir das auch optisch viel besser.

 

eBay ® macht's möglich - man muß nur etwas Geduld haben . . . Ein paar Wochen später wurde ein Sextett gebraucher 6550 der russischen Firma Sovtec angeboten , welche in einem Ampeg Bass-Verstärker liefen - wovon eine Röhre kaputt sein sollte.

Drei , zwei , eins - meins : Die defekte Röhre war schnell lokalisiert die anderen fünf sind in Ordnung und ich habe sogar noch eine in Reserve.

Mit den russischen Sovtec End-Penthoden Typ 6550 funktioniert der MQ 3600 schon seit einigen Jahren einwandfrei . . .

Links eine nachgebaute Grundig NF-10 - Endstufe mit 2 * ELL 80 , ECC 83 und EM 84 als VU-Meter. Darunter der gemeinsame Röhren-Vorverstärker mit einer ECC83 S von JJ-Electronics. In der Mitte das obligatorische Millivolt-Meter zum exakten Einpegeln der Endstufen für den Vergleichs-Test.

Im Grunde ist es egal wie ein Verstärker aufgebaut ist . . . Hauptsache mit Röhren . . .

Bernhard Bornschein , Berlin